Klimawandel
Dienstag, der 10.07.2007
Gerade habe ich Al Gore's unbequeme Wahrheit gesehen, ein mitreissender, emotionaler Vortrag zum Klimawandel. Wobei er die katastrophalsten Auswirkungen noch gar nicht mal dargestellt hat, die massiven weltweiten Völkerwanderungen, Hungersnöte und Kriege um Wasser. Ich sitze hier und schaue ihn mir in fast Lebensgröße an, auf meiner 1,50m-Projektionsleinwand, eine Lichtgestalt der Untergangsprophetie, erzeugt durch meinen Beamer, 200W Dauerleistung und wahrscheinlich einige Kilowattstunden Herstellungsenergie. Ich habe diese Sendung nicht zur Ausstrahlungszeit gesehen, nein, ich schaue sie mir hier bequem an, zu dem Zeitpunkt der mir am besten passt. Und das kann ich, weil ein kleiner Rechenknecht hier 24/7 die Satellitenkanäle durchforstet und nimmermüde für mich nach interessanten Sendungen scant, das Ganze für gerade mal knapp eine Kilowattstunde pro Tag, ca. 350 kWh im Jahr. Um die Sendungen zu archivieren, brauche ich regelmäßig neue DVD-Rohlinge oder (in letzter Zeit immer lieber) neue Festplatten, aktuelle gespeicherte Kapazität liegt bei reichlich 4 Terrabyte auf 18 Platten. In mindestens diesem Punkt kann man mir eine gewisse, nicht zu leugnende Konsumfreudigkeit unterstellen und darüber hinaus wohl so eine Art Cyber-Messie-Symptomatik, denn zu meiner Schande gestehe ich, dass ein Großteil des wertvollen Filmmaterials noch ungesehen in erstgeschriebenen Festplattenbytes schlummert. Zu meiner Entschuldigung möchte ich anmerken, dass ich oft das Fahrrad statt des Autos verwende und insgesamt wenig reise und wenig heize (ich bekomme Nebenkosten zurück erstattet, selbst im Jahr 2005, als alle wegen gestiegener Ölpreise nachzahlen mussten!). Und dennoch, ich mag meinen Lebensstandard, meine Elektronik, meinen PC, meinen Beamer.
Al Gore sieht mich ernst an, von meiner und vor seiner Leinwand, und redet mir ins Gewissen. Zeigt mir den CO2-Ausstoss der Afrikaner, der Chinesen, der Europäer und der Amerikaner. Zahlen, die ich alle kenne, schon lange kenne und sie berühren mich doch, lassen mich nicht kalt. Keiner will das, keiner will diese Katastrophe, auch nicht die Chinesen, aber die Chinesen wollen auch unseren Lebensstandard, unseren Wohlstand und wer könnte es ihnen verdenken oder es ihnen gar ohne schlechten Gewissens vorenthalten? Jeder einzelne, jeder von den ganz vielen, die über diese Kugel wuseln, jeder der 6.000.000.000+ Menschen will unseren Standard. Diese Welt hungert nach Energie und der Energieverbrauch jedes einzelnen Menschen muss steigen, wenn unsere elektronischen Helferlein immer alltäglicher werden, die Produktivität jedes einzelnen Arbeiters im Sinne niedrigerer Lohnstückkosten immer weiter gesteigert werden muss mithilfe der Automaten, Maschinen und Roboter, deren Beherrscher (oder Sklave?) zu sein ich ausgebildet wurde. Jeder Mensch wird so zum Energiemultiplikator für das große Ziel des Wirtschaftswachstums, ohne dass wir alle untergehen werden.
Und damit wir das mit dem Wachstum schaffen, sollen wir auch noch immer mehr werden. Ich fühle mich, als säße ich vor einer Klippe unter lauter Lemmingen auf einem Maulwurfshügel und sehe den Rand erodieren. Irgendwo in der Nähe auf einem von allen begafften Hochsitz schreit ein Führer: "Wollt ihr wohl ficken! Wollt ihr wohl ficken für eure Rente, euren Wohlstand und das Wachstum! Fickt für das Überleben gerade unserer Gruppe, wir erdrücken die anderen einfach zahlenmäßig, die anderen, die sonst über uns herfallen werden, gegen die müssen wir engstens zusammenrücken, gegen den Feind, den massigen Fremdvolkskörper im Süden und Osten!! ..."
Wie kann die Schizophrenie der Beklagung der niedrigen Geburtenraten in Europa (ok, lassen wir das katholische Irland mal aussen vor) mit der Hysterie in Sachen Klimaerwärmung so unbeachtet nebeneinander existieren? Sieht denn niemand, dass wir uns gar nicht einschränken müssten, wenn wir gar nicht so viele wären? Statt dessen predigt unsere Gebärmaschine Nummer eins, Ursula von der Leyen, von der Notwendigkeit der massiven Erhöhung der Geburtenraten! Und sie hat ja recht! Sie hat recht, wenn man den kleinen Tellerrand des nationalstaatlichen Horizonts verlässt und das ganze im Lichte des Wettbewerbs der Staaten betrachtet: jede Volkswirtschaft, die eine größer werdende Menge von Rentnern ernähren muss und dafür Wirtschaftskraft in Form von Sozialleistungen abzieht, verschlechtert damit die Kostenstruktur der für den Export produzierten Waren, da von den produzierten Autos in Deutschland ein gewisser Prozentsatz für die Rentner hergestellt wird und im herkömmlichem Sinne bezahlt werden muss. Ein Land, dessen produzierender Bevölkerungsteil einen solchen "Ballast" nicht tragen muss, hat offensichtlich einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um globale Marktanteile. Die einfachen, aber so wirkungsvollen Gesetzmäßigkeiten des globalen Marktes zwingen also jede Gesellschaft auf diesem Planeten dazu entweder die eigenen Rentner verhungern zu lassen oder gegen andere Nationen bevölkerungsmäßig zu wachsen, um den Anteil unproduktiver Menschen zu verringern, denn das erzeugt günstige Investitionsbedingungen und sorgt somit für Wirtschaftswachstum und das verringert die Arbeitslosigkeit. Jeder Politiker, der kein gänzlich schwachsinniger Idealist ist, wird für seine Wiederwahl eben diese Ziele verfolgen, die offensichtlich die drängensten unserer Zeit sind.
Von dieser Riesenmaschinerie globaler Zwänge getrieben gewinnt also das Volk, das am triebhaftesten agiert. Diese fatale, unerbittliche Logik scheint keiner der politischen "Führer" ernst zu nehmen und öffentlich diskutiert wird sie auch nicht. Scheinbar alle Energie wird darauf verwendet das Offensichtliche unsichtbar zu machen. Und weil das so ist, seh ich schwarz für das Klima, öl- und kohleschwarz, denn sie - wir - werden alles verbrennen, alles, bis auch noch der letzte Tropfen verbraucht ist, der wirtschaftlich förderbar ist, seien es die Ölsand- Vorkommen Kanadas oder die riesigen Kohlelagerstätten Chinas. Der Großteil der Menschen wird es aufgrund der grassierenden Dummheit und Gehirnwäsche nicht begreifen, dass das große Geld Wachstum verlangt und damit die Katastrophe fordert und wird immer wieder die wählen, die eben diesem Monster weiter Nahrung geben.