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Wegweiser
Dienstag, der 09.01.2007
Verwahrlosung
Dienstag, der 09.01.2007
Neulich, im Real:
Ein kleiner Rotzbengel plärrte in Gegenwart seiner Mutter, mit der einen Hand an ihrer Jacke zerrend,
mit der anderen an den PC-Spiele-Auslagen. Die Mutter, wahrscheinlich in Gedanken bei Eiern und Sahne,
setzte stoisch ihre bisherige Bewegung fort und der Kleine, so aus der Bahn geworfen,
hält an beidem fest, was er in der Hand hat. Anscheinend ist er sich der Hoffnungslosigkeit seiner
Bemühungen bewusst, denn keine Sekunde später lässt er sowohl Mutter als auch Spiel los. Das Spiel war
dabei allerdings schon in der Flugphase und trat eine vernehmbare Landung an. Wahrscheinlich rechnete
dieses Kind damit, dass sich der Gegenstand festtreten würde und keine Fingerabdrücke mehr
identifizierbar sein würden, jedenfalls wollte er ohne eine Miene zu verziehen mit demonstrativ an den
Körper geklappten Armen von dannen ziehen. Da die Mutter offenbar mit ihren Sinnen nicht in der
Lage war, diese Fehlhandlung des Sprößlings zu erfassen und damit einer Korrektur nicht
unmittelbar zugeneigt war, sah ich die weitere Entwicklung dieses kleinen Erdensprößlings
zu einem erträglichen Mitglied dieser Gesellschaft gefährdet und stoppte seine Flucht mit meiner linken
Hand. Erstaunt sah der Zwerg von unten zu mir auf. Ich sagte keinen Ton und wies mit dem Finger auf
das corpus delicti. Bei der Mutter war wahrscheinlich noch ein Rest von Gluckeninstinkt übrig und
sie bemerkte meine Bemühungen, dem widerstrebenden Unmündigen Anstand abzuringen und sehr
wohl auch, dass dieser gleiches mit Trotz abschlug und an mir vorbei das Weite suchen wollte. Für
einen Moment rechnete ich mit zwei Möglichkeiten: sie könnte mir jetzt in Ladenlautstärke vorwerfen,
ihre antiautoritäre Erziehung zu gefährden und dass ich mich gefälligst um meine Dinge kümmern solle
oder sie würde das sich abzeichnende zukünftige gesellschaftliche Drama erkennen und meinen Bemühungen
Rechnung tragend mir zu Hilfe eilen. Zu meinem Wohl und dem ihres Sohnes entschied sie sich für
letzteres, und zwang den kleinen Widerporst sowohl verbal als auch vermöge ihrer überlegenen Körperkraft
zur Umkehr seiner Tat. Da dies ganz zu Beginn meiner und ihrer Einkaufstour geschah, kann man sich
vorstellen, dass wir uns in den Gängen des weiteren öfters begegneten und der Junge wohl nur von
der gefühlten Überwachung durch seine Eltern daran gehindert wurde, tretend, beißend und kratzend über
mich herzufallen, jedenfalls seinem Blick nach zu urteilen. Wenn sie mich fragen, schon im Arsch,
die Erziehung...
Feigenblatt
Dienstag, der 09.01.2007
Fernseher abgeschafft, Projektionsleinwand zerlegt und an die Wand geschraubt, dekoriert,
ab jetzt wird nur noch Aufgezeichnetes gesehen. (DVB-S auf Festplatte, aktuelle Kapazität 3,8 Terrabyte)
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