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Reise nach Heidelberg
Samstag, 02.09.2006, gegen 21 Uhr
Frankfurt Flughafen Fernbahnhof, ich steh am Gleis bei edeldunklen
Holzsitzbänken und starre in die Dunkelheit. Laster flitzen auf der
nahen Autobahn, ihre Positionslichter blinken wie ein Puls
und schläfern ein in monotoner Wiederkehr. Ein schwaches, flatterndes
Leuchten dringt in meine Tag/Nacht-Grenztrance, ich schaue hin, es
flackert, tanzt auf einer flachen Scheibe gleißenden Lichts.
Ein Falter stirbt einen glühenden Liebestod gefangen in seiner
brennenden Faszination für eben solche Fassadenstrahler, an dem er jetzt als
lebende Flamme dampfend sublimiert. Von Süchten sind wir doch alle getrieben,
denk ich noch so bei mir, als das grelle Zucken schwächer wird und fahler
Dampf in die schwarze Nacht steigt.
Sonntag, 10.09.2006, gegen 19 Uhr
Im IC von Nürnberg nach Bayreuth schweift mein Blick durch das geräuschlos
gleitende Fenstergemälde der auswärtigen Welt. Ein Bauer kürzt mit dem
Kreiselmäher ein letztes Stück dreieckige Wiese, bevor der Abendtau den
Geruch frischen Grases intensiviert. "Rehkitze", muss ich unwillkührlich
denken - Rehkitze riechen nicht (das ist ihre Tarnung vor Fressfeinden).
Aber sie leben, mindestens bis zum Vabanque-Spiel mit dem Kreiselmäher.
Also ist Körpergeruch offenbar keine zwingende Begleiterscheinung
des stoffwechselnd Lebendigen. Wenn dies aber gilt, muss dann nicht nach den
ehernen Gesetzen der Evolution der Geruch einen biologischen Sinn erfüllen
und als Träger von Kommunikation zwischen Erzeuger und Umwelt
betrachtet werden? Zugegebenermaßen gibt es durchaus Individualisten, die
Ihre Umwelt im übertragenen Sinne geradezu anschreien, aber auch das genaue
Gegenteil dessen, eben solche, die in verklemmter Ablehnung ihrer
Körperlichkeit einem Wasch- und Parfümierungszwang unterliegen
durch die tote Künstlichkeit ihrer non-verbalen Kommunikation jegliche
Authentizität verlieren.
Zwischen diesen beiden Daten war Heidelberg, schön und romantisch verträumt, jedenfalls abends. Negativ in Erinnerung bleibt nur, dass am Hauptbahnhof eine nahezu völlige Orientierungslosigkeit bezüglich der intuitiven Richtung des Zentrums bleibt, keine Architektur, keine Straße, die offensichtlich führt und natürlich fließt, statt dessen herrscht kalte Verlassenheit.
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