Winterwanderung
Sonntag, der 29.01.2006
Eisspitze vor schwarzem Wald
Eisige Spitze am erstarrten Wasserfall im Teufelsgraben bei Bayreuth.
Die Nacht war eiskalt vorüber und der Himmel vollkommen klar. Die Sonne brach also mit ganzer Strahlkraft und Wärme über den Horizont. Diesen Moment hatte ich aber verpasst, denn ich hatte bis 08:30 meiner Faulheit gefrönt und kuschelte mich an die Bettdecke. Die leuchtend hellen Schattenspiele an der Wand motivierten mich jedoch und so zog ich mit der Kamera los. Die bizarre Schönheit winterlicher Eiswelten sollte man auf keinen Fall verpassen und unfotografiert dahin ziehen lassen. Doch gerade Eis und Schnee mit seinen ziseliert verspielten Formen, Kontrasten und gebrochenen Farben sind für das elektronische Auge ein schwieriges Motiv. Der Autofokus findet viele verschiedene Tiefen, doch nie die die man möchte und die Tiefenschärfe reicht nicht, um bei versteckten Kristallschönheiten und mangelnden Lichtverhältnissen die faszinierenden Eiseinschlüsse möglichst dreidimensional wirkend zu fassen. Zwar sind alle diese Parameter mit meiner "Obere-Mittelklasse"-Digitalkamera zwar einstellbar, auf dem kleinen Display jedoch nicht richtig kontrollierbar.
So bleibt von umwerfender Schönheit doch oft ein schwacher digitaler Abklatsch übrig und lässt den staunenden Weltenwandler verzweifeln, findet er doch weder Worte noch Bild, um mitzuteilen, was ihn tief berührt. Oft weint man einem verpasstem Spitzenfoto hinterher, weil die Situation so flüchtig war, und vergisst dabei, sie zu genießen. Dieses verrückte innere Paradoxon, wenn man es erkennt, lehrt einen zumindest eines: Spür den Schmerz, kurz und intensiv und dann lass los, denn dazu ist die Welt geschaffen - Schönheit flüchtig, vergehend, sterbend um wieder zu entstehen, in anderer Form, anderem Gewand, denn nur so kann sie überhaupt entstehen und indem die Welt sich wandelt, entstehen wie in einem Kaleidoskop durch Zufall immer wieder neue wunderbare Muster.
Geradezu seltsam dessen bewußt scheint sich die Natur des Festhaltenwollens zu entziehen. Auf freiem Feld saß in der Ferne auf dem Ast eines zerzausten Großbusches ein vollkommen schwarzer Rabenvogel und bildete mit dem ihn umgebenden Zweigwerk einen wunderbaren Schattenriss vor dem glasklaren, eisblauen Himmel. Leider störte noch ein Gebäude den Hintergrund und so ging ich einige Schritte in gebührender Entfernung, um in eine bessere "Schussposition" zu kommen. Während dieser ganzen Bewegung war der Vogel völlig ruhig geblieben. Also bereitete ich mein Tatwerkzeug vor, fuhr die Linse aus und nahm das Tier aufs Korn. Noch bevor der Autofokus piepsen konnte, war das Luftgeschöpf mit breiten Schwingen abgehoben und mein Motiv mit mir am Boden zerstört. Doch an die oben beschriebenen Gedanken erinnert setzte ich meinen Weg fort, mit leisem Lächeln, ganz tief drin, die warme Morgensonne im Rücken.
Sonniger Stengel mit abgefrorener Spitze vor Landschaft.
Sonniger Stengel mit abgefrorener Spitze vor Landschaft.
HPH zu Besuch ...
Dienstag, der 03.01.2006
Heute stolzierte HPH mit seinem Sohn in unser Labor, indem er ihn vor sich her bugsierte und dem verschüchterten Jungen klarmachte, dass das ein großer Roboter sei, auf unseren RX130 zeigend. Da die beiden sich keinen halben Meter reintrauten, war es zwar sinnlos, dennoch verwies ich auch noch auf den zweiten, kleineren Bot. Diese Gelegenheit ließ HPH sich nicht entgehen und meinte "Ja, wenn nur der noch laufen würde, hätte ich wieder meine Ruhe." Darauf entstand eine peinliche Stille, die nicht mal der Bengel mit einer dummen Frage füllen konnte. Glücklicherweise hatte HPH noch etwas auf dem Herzen, dass er jetzt los werden konnte "Wie ich gelesen habe, habt ihr ein neues DFG-Projekt an Land gezogen?" "Ja, aber schon seit einiger Zeit." "Was war noch mal das Thema, Sicherheit für Mensch und Tier, wenn ich mich recht entsinne? Haha" "Haha.... Nun, sie haben den Weltfrieden noch vergessen...". Nachdem er das rausgelassen und ich mich demonstrativ abgewandt hatte, zog er mit seinem Nachwuchs von dannen.
Viel ehrlicher wäre es gewesen, er hätte so mit mir geredet:
Zu seinem Sohn gewandt: "Sieh mal Junge, da steht die diabolische Drecks-Maschine, die deinem Vats den letzten Nerv zerreibt wenn sie läuft, und du weist was das dann abends im Kreise der Familie für Folgen hat. Ich hoffe du wirst irgendwann mal ein Maschinen-Stürmer, ein zweiter Una-Bomber sozusagen!" Zu mir gewandt: "Und nun zu dir, du fette Mist-Kröte. Ich kann euch nicht leiden und ihr könnt mich nicht leiden, und seit ihr hier seid ist's vorbei mit meiner himmlischen Ruhe. Selbst wenn diese Höllen-Maschine keinen Lärm produziert, wird rücksichtslos von Tischen gesprungen und vulgär gelacht. Da kann man ja nicht mal schlafen, ohne von Albträumen durchschüttelt zu werden. Zu allem Überfluss zieht ihr jetzt auch noch dieses dick ausgestattet Schwachsinns-Projekt an Land, wen fickt ihr eigentlich dafür? Meine Forschung ist seit Jahren unterbezahlt und es wird gekürzt, wo's nur geht, nicht mal eine extra starke Schalldämmung für mein Zimmer konnte ich durchsetzen. Haha, aber pass mal auf, vor meinem Sohn laufe ich zu Höchstform auf und mache euer Projekt wenigstens lächerlich, so dass er merkt, was für ein Mann ich bin und nicht schwul wird, wie meine Frau immer sagt. Und schau mich gefälligst an, während ich mit dir rede, sonst werde ich auf den Boden stampfen wie ihr es immer tut!"
Murphy (1)
Dienstag, der 13.12.2005
PJS und ich auf dem Weg zum Abendessen. Bis 19 Uhr mussten wir dasein, um noch Nudeln zu Happy-Hour-Preisen zu bekommen. 18.20 fuhren wir am GSP los, PJS musste noch kurz im Baumarkt vorbeischauen. Ich kam mit, um ihm beim Suchen zu helfen, was allerdings relativ überflüssig war, wie ich feststellte. PJS suchte, fand, war unzufrieden und sah vom Kauf ab. Unbefriedigt auf dem Weg zur Kasse sinnierte ich schon, wie man diesen Besuch wohl doch noch sinnvoll nutzen könnte und erinnerte mich plötzlich, dass ich noch 3-fach Tischsteckdosen gebrauchen könnte. Beherzt griff ich bei den Grabbel-Auslagen zu, zwei 3-fach-Verteiler für 0,89 euro und ein 4-fach-Verteiler mit gelben Kappen, der direkt daneben lag. Schon auf dem Weg zur Kasse hatte ich ob der langen Schlangen ein schlechtes Gewissen. Wir stellten uns an die minimal kürzere Schlange an. Kurz darauf sprang die Kasseuse aus ihrem Verkaufsgatter und lief zur gegenüber sitzenden Kassen-Henne. Scheinbar hatte etwas sie aus dem Konzept gebracht und erforderte Hilfe. PJS verdrehte die Augen und murmelte sowas wie "immer an der falschen Kasse". Zurück am Platz kam die Schlange wieder in Schwung und wir waren schon voller Hoffnung. Endlich an der Reihe. Plötzlich öffnete sich völlig unerwartet die Verdeckelung der Kassenautomatenmechanik und mit flinken Fingern begann die freundliche Service-Mitarbeiterin mit Kassenzettelrollen zu jonglieren. Zwei ausbauen, zwei einbauen. Fröhlich schnatterte die Kasse wieder los, vollgefüllt mit neuem Holzveredelungsprodukt. Die zwei 3-fach-Verteiler wurden gelasert, dann der 4-fach-Verteiler mit gelben Kappen. Schon zuckte ich am Fünf-Euro-Schein, doch der satte Laser-("Umsatz!")-Piep kam nicht. Versteinert starrte PJS in die Ferne, ich war den Tränen nahe (vor Lachen). Stoisch griff die Dienerin des Umsatzlasers zum Haustelefon und störte ihren Kassenleiter bei einer wichtigen Personalberatung mit der neuen Praktikantin. Ich rechnete schon mit einer ausgiebigen Unterhaltung, doch schon nach kurzer Zeit fing sie an, Zahlen einzutippen und mehrere "mHm, ja" von sich zu geben. Obwohl die Sonne schon untergegangen war, schien es plötzlich heller zu werden im Raum und PJS' Stirn entwölkte sich. Meine hingegen tat das Gegenteil, als ich erfuhr, das die Luxus-4-fach-Steckdosenleiste aus chinesischer 20-Stunden-Schicht-Produktion (ohne Pinkelpause) 14,99 Euro auf die Kassenanzeige brachte. Obwohl ich einfach hätte zahlen können, um das Drama zu beenden, brachte dies mein inneres Preisempfinden dermaßen aus dem Ruder, dass ich ausrief "Was, das glauben sie ja wohl selbst nicht!", zum Grabbel-Tisch lief, dort ungläubig denselben Preis erblickte und dann zurück an der Kasse den Kauf des Gutes ablehnte. Also bezahlte ich knapp zwei Euro und verließ mit dem nahezu sprachlosen PJS das Einkaufsparadies.